FabLabs sollen Teile für Beatmungsgeräte drucken, oh, und vielleicht ein paar OpenSource-Masken…

Bei der Anfrage habe ich mich erst etwas vera… veräppelt gefühlt, dann geehrt und dann – ja, weiss ich auch nicht. Aber mal von vorn:

Vorweg, ein Update vom 24.03.2020

Weil nicht alle Zeit haben, das in Ruhe und vollständig zu lesen und mich womöglich falsch verstehen, ein kleiner Disclaimer: Ich finde es richtig und wichtig, in der Not zu helfen und werde das auch weiterhin tun. Kettenbriefe sind allerdings NIEMALS ein adäquates Medium zur Kommunikation seriöser Anliegen. Oh, dieser Satz wäre ein Fall für das Blink-Tag, aber das ist ja zum Glück aus den Web-Standards entfernt worden ;) Ausführliche und extrem lesenswerte Infos dazu bei Hoax-Info von der TU-Berlin.

In diesem Fall zentraler Grund ist, dass mich und tausende andere „Maker“ die identische Anfrage inzwischen mehrfach täglich erreicht und das wohl auch länger so bleiben wird, weil die Autorin der Ursprungs-Mail keine Kontrolle mehr darüber hat. Da die Ursprungs-Anfrage „für den medizinischen Einsatz zertifizierte Teile“ betrifft, sind da aber leider alle Hobbyisten mit einfachen 3D-Druckern raus und verplempern ihre Zeit trotzdem mit der Beantwortung dieser veralteten Anfrage.

Ein richtiger Weg wäre also gewesen, schnell eine (später aktualisierbare) Webseite aufzusetzen und zu verlinken, dort die nötigen Inhalte hinzupacken und Fragen zu beantworten.

Zum Glück gibt es einige andere Ansätze, die besser kommuniziert und kontrollierbar sind:

  • Kanadische Krankenhäuser suchen unkonventionelle Ideen für Beatmungsgeräte (heise.de vom 22.03.2020 / Code Life Ventilator Challenge)
  • Medizinischen Bedarf und Maker zusammen bringen: medprint.org
  • (ich hatte noch einen weiteren Tipp bekommen, aber den finde ich gerade nicht wieder – meldet euch gern, wenn ihr was wisst!)

Und Lösungen bzw. Lösungsansätze für aktuelle Probleme gibt es auch schon:

Aber jetzt mal zum eigentlichen Thema, dem Inhalt vom 18.03.2020:

Die Mail

Am 17.03.2020 erreichte mich eine Mail an den Trägerverein des Hackspace Oldenburg, Betreff „Dringende Anfrage der Europäischen Kommission zur Produktion von“. Ja, genau da war irgendeinem Programm unterwegs der Betreff zu lang.

corona-support-anfrage

Die Mail ist dann eine mehrfach weitergeleitete Sammlung von Ur-Inhalt und den Bitten zur Unterstützung der jeweils Weiterleitenden dazu. Quelle soll „Ulla Engelmann (GROW)“ sein. Dazu findet man euch einen Twitter-Account von Ulla Engelmann („Head of unit, Advanced Technologies, Clusters, social economy, DG Grow @EU_Commission„), der zu dem Thema auch was retweetet hat.

Von Frau Engelmann ging es dann über das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie und dann über ein paar Ecken an uns.

Leider ist die Mail-Adresse von Frau Engelmann oder sonst ein Kontakt zu ihr nicht überliefert, so kann man nicht direkt an der Quelle klären, ob das überhaupt noch aktuell ist. Dumm gelaufen, so dürfte die Mail auch in Monaten noch als Kettenbrief um die Welt wabern…

[Und nur so zur Sicherheit, die Anfrage habe ich gestern trotzdem direkt an unsere 3D-Drucker-Leute weitergeleitet, damit die im Notfall bereit sind. Zeit zum Recherchieren habe ich erst jetzt.]

Die Anfrage

Leider ist die Mail ziemlich unübersichtlich und nicht gerade die Anfrage, die man direkt an 3D-Drucker-Freunde weiterleiten möchte. Da wären kurz und knackig eine STL, Materialanforderungen und Toleranzen und die benötigte Anzahl der Teile wichtig gewesen. Stattdessen gibt’s einen Link zur Beschreibung eines „Operational Support & Logistics Disease Commodity Packages“ der WHO zu Covid-19 und zwei rein kopierte Tabellen mit Anforderungen an vollständige Beatmungsgeräte für nicht-invasive und invasive Beatmung.

3dpribtedvalve
Credit: 3dprintingmedia.network

Wie gesagt, eine STL bekommt man so nicht, dafür müsste aus Copyright-Gründen erst ein Krankenhaus danach fragen. Okay!?

Außerdem gibt es noch einen Hinweis auf 3D-druckbare OpenSource Masken. Uff. Mal davon abgesehen, dass derzeit wohl eher Profis Masken brauchen und sinnlos egoistische private Horterei sie zu knapp für z.B. zu Hause pflegende Privatleute machen… (Ich hoffe, Arztpraxen und Krankenhäuser werden wieder beliefert? Es scheint da auch gerade im Großen nicht so knapp zu sein, wenn Deutschland gerade eine Million Masken nach Italien liefert und Jack Ma mehrere Millionen Masken nach Europa spendet.)

3dprinbtedmaskCredit: opensourcemask.com

3D-Druck eines Halters und Füllen mit „irgendwas von zu Hause“ scheint mir da nicht so sinnvoll zu sein. Aber falls wir mit dem Lockdown zu spät waren und das akut wird und man lieber Klopapier (oh, wait…) als gar keinen Filter hat: besorgt mir 0,6mm PP und ich schneide mit dem Lasercutter mindestens 200 Teile pro Stunde (eher mehr), da könnt ihr die 3D-Drucker aus lassen und euch in Heimarbeit mit dem Zusammennähen und dem Finden eines geeigneten Filtermaterials beschäftigen.

Status

2020-03-18 08:21: Frau Engelmann habe ich mangels anderem Kontakt via Twitter angeschrieben und bisher keine Antwort. Meine vorsichtige Bewertung ist „unklar bis halbgar“. Ich bleibe dran.

2020-03-18 10:34: In der Mail wurde weiter oben eine Ansprechpartnerin beim „go-cluster“ genannt, die ist aber nicht erreichbar. Ich habe ihr auf den AB gesprochen und um Rückruf gebeten.

2020-03-18 11:11: Antwort von Frau Engelmann:
antwort_engelmann

 

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